In seinem Sachbuch „Generation TikTok“ analyisiert Lehrer und Influencer Niko Kappe, wie soziale Medien und Künstliche Intelligenz unsere Welt verändern und diese, die Pädagogen und Eltern im Lebensalltag fordert. Dabei ordnet der Autor die Vorurteile und Ängste über die „neuen Medien“ ein und erklärt diese einfach und verständlich. Die Kapitel werden von generelleren Themen wie das Smartphone und die Medienkompetenz immer spezifischer wie zum Beispiel journalistische und politische Inhalte auf TikTok. Zudem kommen auch regelmäßig Expert*innen interviewt für deren Einordnung. Ein roter Faden im Buch ist die Perspektive der Kinder, die diese Medien konsumieren. Zu Beginn des Buches werden Mythen über Smartphones und Digitalsucht mit Beispielen von älteren Medien (Bücher oder Fernseher) entlarvt. Im weiteren Verlauf wird die Erziehung mit den „neuen Medien“ thematisiert und wie es heutzutage nicht möglich ist, aus dem Haushalt oder dem Kinderzimmer fernzuhalten. Ab der zweiten Hälfte des Buches kommen auch die Expert*innen zu Wort und ordnen die Statements zu den jeweiligen Themen (Fake News, Medienpädagogik, Social Media) ein. Am Ende des Buches, werden an die Gefahren von einseitigen politischen und nachrichtenrelevanten Videos plädiert, appelliert aber auch an alle, bei diesen Videos die Fakten gegen zu checken.
Was mir an diesem Buch sehr gefallen hat ist die Einordnung des Sachstandes und dass diese sehr einfach zu verstehen sind. Zudem ist der kleinste gemeinsame Nenner dieser Themen Kinder, Familie und die digitale Welt, weshalb auch sehr lesenswert für Eltern ist. Da Niko Kappe direkt an der Quelle ist (TikTok und Schullehrer), kann dieser es perfekt vermitteln.
Generell würde ich sagen, dass dieses Buch für alle Interessierte an aktuellen Medienkonsum sehr empfehlenswert ist, auch wenn man keine Kinder hat oder nicht mit Kindern arbeitet.
Yellowface
Von Rebecca F. Kuang
„Yellowface“ erzählt die Geschichte von Juniper „June“ Hayward und Athena Liu, zwei jungen, ambitionierten Schriftstellerinnen, die sich im ersten Jahr an der Yale University kennen lernten und seitdem, lediglich durch äußere Umstände, befreundet sind. June kann Athena nicht besonders leiden, denn sie hat alles, was June nicht hat: einen Mehrbuchvertrag bei einem renommierten Verlag, eine ellenlange Liste mit Preisnominierungen und einen Lebenslauf voller namhafter Künstlerresidenzen. Währenddessen ist Junes Debütroman ein Flop und sie hält sich mit Tutorenjobs über Wasser. Als die beiden eines Abends Athenas nächsten Erfolg feiern – einen Vertrag mit Netflix – stirbt diese auf kuriose Weise, mit June als einziger Zeugin.
Die schnappt sich kurzerhand Athenas unveröffentlichtes Manuskript für „Die letzte Front“, ein historischer Roman, der das chinesische Arbeitercorps im ersten Weltkrieg behandelt, und veröffentlicht ihn unter dem chinesisch klingenden Synonym Juniper Song. Was dann folgt, ist der Ruhm, den sie sich immer gewünscht hat, aber der bringt auch dunkle Seiten mit sich – Twitter-Beschimpfungen, Plagiats- und Rassismusvorwürfe und sogar Morddrohungen. Nun muss June alles tun, um ihre Lüge aufrecht zu erhalten.
Selten war ich beim Lesen eines Romans so zwiegespalten wie bei „Yellowface“. R.F. Kuang hat so geschickt eine Doppelmoral eingebaut, dass ich immer wieder, obwohl ich weiß, dass das, was June da tut, falsch ist, Mitleid für sie empfand. Einerseits will man, dass sie für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen wird, aber andererseits ist es auch spannend zu sehen, wie lang sie ihr Netz aus Lügen noch weiterspinnen kann. Nebenbei schafft das Buch es auch noch, auf satirische Art eine Seite der Buchbranche zu zeigen, über die kaum gesprochen wird:
Wer darf seine Geschichte erzählen? Welche Schriftsteller:innen werden von den Publishern abgelehnt, weil ‚es schon eine Person of Colour gibt‘?
„Yellowface“ ist ein Buch, das mich noch lange, nachdem ich es geschlossen hatte, zum Nachdenken gebracht hat. Und das sind meiner Meinung nach die besten Bücher.
